Reise des Burgenvereins nach Siebenbürgen (9. bis 13. Mai 2017)

Elisabeth Meran

Volkstanz in Sibiu

Unsere 5-tägige Reise nach Siebenbürgen startete am 9. Mai mit 28 Teilnehmern in Wien. Wir wurden am Flughafen Sibiu bei Hermannstadt abgeholt und in das Hilton Hotel gebracht, wo vier Übernachtungen bis zum 13. Mai gebucht waren. Die Tatsache, dass dies nur einmal auspacken und einmal einpacken bedeutete, wurde allgemein als angenehm empfunden. Ein weiterer Pluspunkt zeigte sich bereits am ersten Tag: Unser Reiseleiter Mihai Hasegan sprach fließend Deutsch und war trotz seiner Jugend ein allseits gebildeter Kenner Siebenbürgens und seiner wechselvollen Geschichte.

Ein erster Spaziergang durch die Altstadt zeigte uns zwar zahlreiche bereits restaurierte Bürgerhäuser, aber auch viele, die sich noch immer in einem erbarmungswürdigen Zustand befinden. Elektroleitungen hängen offen auf abbröckelnden Fassaden, die ihre frühere Schönheit nur noch erahnen lassen. Mehr als 50 Jahre Kommunismus haben deutliche Spuren hinterlassen.

Ein besonderes „Geschenk“ war das kleine Orgelkonzert in der evangelischen Stadtpfarrkirche aus dem frühen 16. Jahrhundert. Nach der Hektik der Anreise setzten die Orgelklänge einen schönen, ruhigen Kontrapunkt.

Am zweiten Tag lernten wir Hermannstadt und die Geschichte der Siebenbürger Sachsen besser kennen. Die Häuser der Altstadt gruppieren sich um einen großen Platz, an dem u. a. das „Luxemburger Haus“ steht, wunderschön restauriert aus Mitteln des Großherzogtums.

Die ersten sogenannten „Siebenbürger Sachsen“ kamen nämlich um das Jahr 1150 auf Einladung des ungarischen Königs Geza II., der ihnen einen Freibrief ausstellte und viele Rechte garantierte; sie stammten aus Gebieten des heutigen Rheinlands, aus Luxemburg, Flandern und den Niederlanden – nicht aber, wie der Name eigentlich vermuten ließe, aus dem heutigen Sachsen!

Auffallend sind die vielen Kirchen, die verschiedenen Konfessionen angehören: Es gibt evangelische, katholische, griechisch-orthodoxe und rumänisch-orthodoxe Gemeinden, wobei sich heutzutage die große Mehrheit der Bevölkerung zum rumänisch-orthodoxen Glauben bekennt.

Ein interessantes kleines Museum führt in die Geschichte der Kirchenburgen ein und dokumentiert die vielen Bräuche der Bevölkerung Siebenbürgens. Ganz besonders gefiel uns der gemütliche deutsche Buchladen, der gleichzeitig auch ein Kaffeehaus ist.

Aus der Stadt ging es dann hinaus aufs Land, in das Dorf Hosman (Holzmengen). Hosman ist ein verlassenes Dorf, das die typische Entwicklung vieler Dörfer in Siebenbürgen zeigt. Man findet bestätigt, was unser Reiseleiter sagte: „Wir haben in Siebenbürgen viele Ressourcen, aber zu wenig Menschen.“ Das liegt u. a. an der Politik der BRD, deutschstämmigen Minderheiten im Ausland den Erwerb eines deutschen Passes zu ermöglichen. Nach dem Zusammenbruch des Ceausescu-Regimes im Jahr 1989 und dem Beitritt Rumäniens zur EU im Jahr 2007 führte dies zu einer Ab- und Auswanderungswelle und einer dramatischen Entvölkerung insbesondere der ländlichen Gebiete. Hier sind in Folge dann oftmals Roma-Familien nachgerückt.

Wir besuchten das Projekt „Elijah“, das von Frau Ruth Zenkert und dem Jesuitenpater Georg Sporschill betreut wird und wo man sich in vorbildlicher Weise um die Erziehung und Ausbildung von Roma-Kindern und -Jugendlichen kümmert.

Nachmittags feierten wir eine Hl. Messe in der neu erbauten katholischen Kirche, an der auch einige Roma-Familien teilnahmen. Danach besichtigten wir die neue Schule, die Tischlerwerkstatt, die Musikschule und das neue Gemeindezentrum – alles hergestellt mit eigener Hände Arbeit und finanziert durch großzügige Spenden.

Derweil hatten die Frauen und Mädchen für uns ein köstliches Abendessen gekocht, das von Musik- und Tanzaufführungen untermalt wurde. Beeindruckend waren die strahlende Fröhlichkeit der Kinder, ihre auffallende Musikalität und ihre Tanzbegabung. Es ist unglaublich, was hier in den letzten Jahren geleistet wurde, und wir hoffen, dass unsere spontan gesammelte Spende ein wenig zum weiteren Gelingen beitragen kann.

Der dritte Tag unserer Reise brachte uns zu den berühmten „Kirchenburgen“, zunächst einmal zu jener von Deutsch-Weißkirch (Viscri). Hier scharen sich hübsche kleine, farbige Bauernhöfe als Straßendorf unter dem malerischen Burgberg. Am Straßenrand bieten Frauen ihre Handarbeiten an. Prinz Charles besitzt hier einen kleinen, im typischen Blau gestrichenen Bauernhof in der Ortsmitte, wohl um die Erhaltung des Ensembles zu unterstützen!

Nachmittags fuhren wir nach Schäßburg (Sighisoara), einer einzigartigen, vollständig erhaltenen mittelalterlichen Festungsstadt und Weltkulturerbe (ebenso wie alle Wehrkirchen, die wir gesehen haben). Bemerkenswert ist das von der Messerschmidt-Stiftung, München, restaurierte „Haus mit dem Hirschgeweih“ und das in der Nähe liegende Geburtshaus des legendären Grafen Dracula (Vlad III. Draculea bzw. Vlad Tepes, „der Pfähler“). Dann ging es vorbei an Birthälm, das dreihundert Jahre lang Bischofssitz der evangelischen Kirche in Siebenbürgen war.

 

Fotos Ines Allmayer-Beck

Zum Abendessen landeten wir schließlich in Michelsberg bei der Familie Henning. Unser Gastgeber schilderte sehr unterhaltsam die familiäre Situation, seit Teile der Familie in Deutschland leben und nur im Sommer wie Touristen in dicken Autos die alte Heimat besuchen, während er selbst sich für ein wirtschaftlich härteres, dafür aber heimatverbundenes Leben entschieden hat. Herr Henning widmet sich neben der Landwirtschaft und dem Tourismus auch der Herstellung von bemalten Kachelöfen; eine Adresse, die man sich merken sollte.

Am vierten Tag ging es nach Kronstadt. Wir genossen während der Fahrt die unglaublich schöne Landschaft mit weiten Wiesen, auf denen riesige Schafherden weiden, und hellgrünen Wäldern vor den schneebedeckten, bis zu 2500 m hohen Gipfeln der Fogarascher Berge.

Kronstadt (Brasov) ist eine Gründung des Deutschen Ordens aus dem frühen 13. Jh. Die sogenannte „Schwarze Kirche“ ist eine gotische Hallenkirche und der wohl bedeutendste Sakralbau zwischen Wien und Konstantinopel. Ungewöhnlich ist die Ausschmückung der Kirche mit zahlreichen orientalischen (Gebets-)Teppichen, die von heimischen Kaufleuten aus Kleinasien mitgebracht und der Kirche geschenkt worden waren.

Am Nachmittag besichtigten wir die besonders beeindruckende Kirchenburg in Tartlau (Prejmer), in die sich die Bevölkerung bei Gefahr in Sicherheit bringen konnte. Zwei bis zu vier Meter dicke Wehrmauerringe schützen die zentrale gotische Kreuzkirche und über 200 Kleinwohnungen.

Hochinteressant war am letzten Vormittag der Besuch bei der Hermannstädter Zeitung. Die Chefredakteurin, Frau Beatrice Ungar, berichtete von der intensiven kulturellen Bedeutung dieses Wochenblatts für die Vernetzung innerhalb der deutschen Minderheit in Siebenbürgen, aber auch für die Verbindung zur rumänischen Mehrheitsbevölkerung. Die Themen in der neuen Nummer reichen von diversen Theaterrezensionen über einen Bericht über enge bilaterale Zusammenarbeit, beschlossen auf dem rumänisch-deutschen Forum, bis zu Fotos vom amerikanischen Botschafter bei der Überreichung einer Spende zur Erhaltung des kulturellen Erbes.

Zum Abschluss unserer Reise besuchten wir am Vormittag vor dem Rückflug das überraschend reichhaltige Brukenthal-Museum, das erstklassige Gemälde Alter Meister, z. B. von Brueghel und Jan van Eyck, besitzt. An glanzvolle Zeiten erinnernd, präsentierte sich das Gebäude außen mit einer prachtvollen Fassade und innen mit Räumlichkeiten in perfektem Zustand.

Fazit: Es war eine eindrucksvolle Reise, die wir nicht vergessen werden.